#Unternehmensnachfolge #3DDruckWissen #3DDruck #Serienfertigung
Diesmal war ich nicht Gastgeber, sondern selbst zu Gast. Bastian Gaedike, Materialwissenschaftler, Gründer der Malping GmbH und Host von PEEKfeine Bauteile, hat mich zum Interview eingeladen. Wir sprechen darüber, wie es sich anfühlt, einen der ältesten 3D-Druck-Dienstleister Deutschlands zu übernehmen, warum ich mein Portfolio verbreitert statt fokussiert habe und welches Verfahren ich wieder abgeschafft habe.
Takeaways
- Ein PLA-Prototyp zeigt dir, ob eine Idee funktioniert. In der Serie zählen dagegen Festigkeit, Oberfläche, Toleranzen und Nachweise, und wer schon die Hälfte der Anforderungen nicht erfüllt, kommt nie in die Serie.
- Ein breites Verfahrensportfolio ist kein Bauchladen, wenn es einem klaren Ziel folgt: die Anforderungen des Kunden zu erfüllen. Den langsameren Skalierungshebel nehme ich dafür bewusst in Kauf.
- Ein neues Verfahren trägt sich nicht ab dem ersten Tag. Bei der Metallanlage waren die ersten Jahre ein Zuschussgeschäft, bevor sie sich gerechnet hat.
Chapters
- 00:00 Intro: Diesmal zu Gast bei PEEKfeine Bauteile
- 00:29 Bastian Gaedike stellt seinen Gast vor
- 02:01 Wann fühlt man sich als Eigentümer?
- 03:55 Vom Maschinenbau zum 3D-Druck-Dienstleister
- 09:02 Technik-Nerd mit betriebswirtschaftlichem Fokus
- 11:59 Unternehmenskauf: Was ich heute anders machen würde
- 14:37 Metallanlage, Dieselgate und Corona
- 15:59 Unternehmer oder Verwalter
- 17:47 Warum das Portfolio so breit geworden ist
- 21:11 Zuschussjahre bei Metall und Carbon DLS
- 22:52 Generalist oder Bauchladen?
- 26:45 Bewusste Positionierung abseits der umkämpften Nischen
- 29:09 Werkzeugkoffer statt Schweizer Taschenmesser
- 31:23 Warum ich keine FDM-Printfarm aufbaue
- 36:12 Lösungsberater mit angeschlossener Fertigung?
- 36:56 Ein Verfahren, das ich wieder abgeschafft habe
- 38:31 Robotik, Leichtbau und das Energieproblem
- 42:03 Wie ich neue Verfahren auf der Formnext filtere
- 46:29 Wie ich neue Maschinen bewerte
- 48:13 Ein neuer Resindrucker aus Taiwan
- 51:02 Abschlussfrage: Nur noch drei Verfahren
- 53:42 Outro
FAQ
- Warum betreibst du über 10 Verfahren, statt dich zu spezialisieren? Weil Serienbauteile konkrete Anforderungen haben, die selten ein einziges Verfahren abdeckt. Ich wähle das Verfahren nach der Anforderung aus und nicht umgekehrt.
- Warum baust du keine eigene FDM-Printfarm auf? Der FDM-Markt ist hart umkämpft, und im PLA-Bereich brauchst du 50 bis 60 Drucker, damit eine Person davon leben kann. Große FDM-Stückzahlen fertigen deshalb Partner mit einer Printfarm.
- Welche drei Verfahren würdest du behalten, wenn du nur drei haben dürftest? SLS, den Metall-3D-Druck und Carbon DLS, weil ich damit immer noch die meisten Anforderungen abdecken kann.
—–
PEEKfeine Bauteile / Bastian Gaedike: https://podcasts.apple.com/de/podcast/peekfeine-bauteile-der-3d-druck-industrie-podcast/id1895281360
LinkedIn Bastian Gaedike: https://de.linkedin.com/in/bastiangaedike
—–
Link zur Webseite: https://prototec.de
LinkedIn Profil: https://de.linkedin.com/in/torsten-wolschendorf
Instagram: https://www.instagram.com/prototecattendorn/
Mehr zu dieser Folge
Werkzeugkoffer statt Bauchladen: Warum ich als 3D-Druck-Dienstleister auf über 10 Verfahren setze
Diesmal war ich nicht der Gastgeber, sondern der Gast. Bastian Gaedike, Materialwissenschaftler und Gründer der Malping GmbH, hat mich in seinen Podcast PEEKfeine Bauteile eingeladen. Bastian hat mich mit einer Beobachtung vorgestellt, die es ziemlich gut trifft: Die meisten raten einem Unternehmen zum Fokussieren, und ich habe das Gegenteil gemacht und verbreitert. Heute sind es über 10 Verfahren und über 70 Materialien.
Im Kern geht es um eine Frage, die sich jeder stellt, der ein Bauteil aus dem 3D-Druck in die Serie bringen will: Brauche ich einen spezialisierten Dienstleister, ein Portal oder einen Partner mit einem breiten Portfolio? Mein Fokus liegt darauf, serienfähige Materialien nach den Anforderungen meiner Kunden realisieren zu können. In diesem Artikel erkläre ich, wie und warum ich dafür über 10 Verfahren aufgebaut habe. Außerdem geht es um die Übernahme eines Unternehmens, um ein Verfahren, das ich wieder abgeschafft habe, und darum, wie ich neue Maschinen bewerte.
Ein Unternehmen kaufen statt gründen
2019 habe ich einen der ältesten 3D-Druck-Dienstleister Deutschlands übernommen. Das Unternehmen war damals schon 24 Jahre alt, und der Gründer ist wenige Monate später in den Ruhestand gegangen. Bastian wollte wissen, wann ich mich zum ersten Mal als Eigentümer gefühlt habe. Mit der Unterschrift beim Notar war das noch nicht so. Das ist wie bei einem Hauskauf: Du renovierst, du ziehst ein, und die erste Nacht fühlt sich trotzdem noch wie im Hotel an.
Der Moment kam bei meiner ersten großen Investition. Das war eine Metallmaschine, die mit allem Drum und Dran rund 700.000 Euro gekostet hat. Ich musste mich zwar mit meinem damaligen Mitgesellschafter abstimmen, aber ich brauchte keine Genehmigung und kein langes Freigabeverfahren. Aus meiner Zeit in der Anstellung kannte ich das ganz anders.
Vom Maschinenbau zum 3D-Druck
Davor war ich rund zehn Jahre im Maschinenbau unterwegs. Ab etwa 2008 wurde die Individualisierung immer wichtiger, und das große Seriengeschäft ist mehr und mehr nach China gegangen. Mein Job war es, Unternehmen von der Großserie auf die Kleinserie umzustrukturieren. Das habe ich nicht als externer Berater gemacht, sondern immer als Betriebsleiter oder technischer Leiter.
Dabei stellt sich ständig die Frage, wie man vom Spritzguss oder vom Stanzbiegeteil weg zu Verfahren kommt, die kleine Stückzahlen wirtschaftlich abbilden. Das geht über das Fräsen, über das Laserschneiden und eben auch über den 3D-Druck. Zum Kauf kam es dann ganz unspektakulär durch ein Gespräch, das mit dem Satz begann, dass die Inhaber über eine Nachfolge nachdenken. Der Verkaufsprozess hat sich danach fast ein Dreivierteljahr gezogen.
Mein Werdegang geht vom Schlosser über den Mechatroniker und den staatlich geprüften Techniker bis zum Betriebswirt und einem MBA in Produktionsmanagement. Auf Bastians Frage, ob ich eher Techniker oder eher Zahlenmensch bin, habe ich mich als Technik-Nerd mit extrem betriebswirtschaftlicher Fokuslage beschrieben. Ich will meinen Bereich beherrschen, und zwar richtig.
Was ich beim Unternehmenskauf heute anders machen würde
Der Kaufpreis wird anhand der letzten drei Geschäftsjahre festgelegt. Bei mir waren das 2016 bis 2018, und das war in Deutschland wirtschaftlich gesehen ein Schlaraffenland. Kurz nach der Unterschrift kam Dieselgate, danach die WLTP-Umstellung und dann Corona. Den Kaufpreis hatte ich nicht einfach auf dem Konto. Die Eigenkapitalquote habe ich aus meinen bisherigen Jobs aufgebracht, und der Rest kam von der Bank. Die Tilgung und die Zinsen musst du bedienen, auch wenn die Umsätze nicht so kommen wie erwartet.
Heute würde ich stärker darauf achten, dass der Wert, den die Inhaber geschaffen haben, und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens im Gleichgewicht stehen. Das liegt auch im Interesse der Verkäufer. Was bringt es ihnen, wenn sie ihr Geld bekommen haben, aber ihr Lebenswerk danach durch äußere Einflüsse nicht überlebt?
Unternehmer oder Verwalter
Rückblickend kann man immer sagen, dass man es hätte wissen müssen. Aber als Unternehmer triffst du keine Entscheidung mit 100 Prozent Wissen. Du hast vielleicht 20, 30 oder 50 Prozent, und den Rest musst du annehmen. Deshalb heißen sie ja Annahmen. Du bewertest das Risiko deiner Annahmen, entscheidest dich und schaust, was passiert. Das ist für mich Unternehmertum. Wer das nicht tut, ist ein Verwalter, auch wenn er vielleicht denselben Titel trägt.
Warum ein Prototyp aus PLA nichts über die Serie aussagt
2019 war der 3D-Druck bei den Dienstleistern noch ein reines Prototypengeschäft. Mit Corona hat sich das gewandelt. Es gab keine Messen, und ich bekam immer öfter Anfragen, die eigentlich für den 3D-Druck geeignet waren, die ich mit meiner damaligen Technik aber nicht bedienen konnte. Daraus ist meine heutige Philosophie entstanden: Ich will nicht drucken, ich will Anforderungen erfüllen. Der Drucker ist für mich ein Werkzeug. Dazu kommen eine CNC-Fräse, der Vakuumguss, externe Partner und eine Cerakote-Beschichtung, die wir selbst im Haus durchführen und für die wir zertifiziert sind.
Der Unterschied zwischen einem Anschauungsmodell und einem Serienbauteil ist riesig. Für ein Modell, das jemand in der Hand halten, mit zwei Schrauben montieren und kurz testen will, reicht ein PLA völlig aus. In der Serie geht es dagegen auf den Punkt. Wenn ein Kunde zwölf Anforderungen stellt und du schon sechs davon nicht erfüllen kannst, brauchst du gar nicht weiterzumachen. Das wird nie eine Serie.
| Kriterium | Anschauungsmodell | Serienbauteil |
|---|---|---|
| Zweck | Vom CAD ins Physische, Idee prüfen, Montage testen | Dauerhaft im Produkt funktionieren |
| Material | PLA reicht aus | Definierte Festigkeit, ggf. Brandschutz |
| Genauigkeit | Nebensache | Toleranzen und Genauigkeit laut Qualitätsvereinbarung |
| Oberfläche und Farbe | Egal | Genau festgelegt |
| Nachweise | Keine | Zertifizierung, REACH, RoHS, PFAS-frei |
Neue Verfahren tragen sich nicht ab dem ersten Tag
Die Metallmaschine trägt sich heute. Die ersten Jahre waren aber ganz klar ein Zuschussgeschäft. Zur Maschine gehören der passende Raum, ein ESD-Boden, eine Abluft und vieles mehr. Du zahlst die Leasingraten ab dem ersten Monat, aber da weiß noch kein Kunde, dass du das Verfahren anbietest. Im ersten Jahr lernst du, was wirklich funktioniert, und dabei geht auch mal etwas daneben. Bis du das deinen Kunden kommuniziert hast, ist das zweite Jahr rum.
So war es bei fast jedem Verfahren. 2021 habe ich Carbon DLS ins Haus geholt, und zwar ohne einen einzigen Kunden dafür. Ich hatte eine Vision. Ich wusste, dass ich serienfähige Materialien und eine prozesssichere Maschine brauche. Die Maschine kostet jedes Jahr richtig Geld, aber ich bereue kein Stück. Sie erlaubt mir, Anforderungen zu erfüllen, die ich mit anderen Resindruckern so nicht erreicht habe.
3D-Druck Serienbauteile: Spezialist oder breites Portfolio?
Bastian hat den naheliegenden Einwand gebracht: Man soll sich doch fokussieren, damit man keinen Bauchladen hat, bei dem der Kunde nicht mehr versteht, wo die Stärke liegt. Meine Erfahrung ist eine andere. Wer bei Google nach den Themen sucht, die meine Zielgruppe wirklich beschäftigen, findet mich weit vorne. Wo ich nicht vorne bin, ist bei den Portalen wie Xometry, bei denen du eine Datei hochlädst, einen Preis bekommst und das war es. Da gibt es keinen Kontakt, keinen Support und keine Diskussion.
Ich behaupte, dass manche dieser Anbieter nicht selbst in einem breiten Portfolio fertigen und dich deshalb auch nicht beraten können. Ich mache Metall, Resin, FDM und SLS selbst. Deshalb weiß ich, wann welches Verfahren gut ist und wann nicht. Spezialisierte Fertiger sind in ihrem Kernverfahren oft besser ausgestattet als ich und manchmal auch günstiger. Ob sie den 3D-Druck in der Breite besser verstehen, bezweifle ich aber.
Bastian hat das mit einem Schweizer Taschenmesser verglichen. Ich sehe es eher als Werkzeugkoffer. Wir sind so etwas wie ein Zimmerer, der auf die Baustelle kommt und schaut, welches Werkzeug für die Aufgabe am besten passt. Der Spezialist hat für die 17er-Schraube einen Schlagschrauber und ist damit viel schneller als ich mit meiner Knarre. Wenn er aber mit seiner Nuss vor einer Kreuzschlitzschraube steht, ist es vorbei.
| Kriterium | Spezialisierter Fertiger | Breites Verfahrensportfolio |
|---|---|---|
| Ausstattung im Kernverfahren | Oft besser und optimiert | Solide, aber nicht maximal optimiert |
| Preis | Teilweise günstiger | Nicht immer der günstigste |
| Beratung über Verfahrensgrenzen | Endet beim eigenen Verfahren | Vergleich aus eigener Fertigungserfahrung |
| Wenn die Anforderung nicht passt | Das Werkzeug passt nicht zur Schraube | Ein anderes Werkzeug aus dem Koffer |
| Skalierungshebel | Höher, wenn die Positionierung gelingt | Langsamer, bewusst akzeptiert |
Die Breite war auch eine bewusste Positionierung. 2020 habe ich den Wandel gesehen und mich gefragt, wo ich mich als kleines Unternehmen aufstellen kann. Wenn ich mich in eine Nische setze, in der größere Unternehmen schon stark positioniert sind, kämpfe ich gegen genau diese Unternehmen. Ich habe mich stattdessen für die Anforderungsebene entschieden: Kunden dabei helfen, ihre Bauteile in die Serie zu bringen, und dafür die passenden Materialien und Prozesse aufbauen. Eine eierlegende Wollmilchsau sind wir trotzdem nicht. Wir können nicht alles, aber wir können eine Menge, und manche Dinge können wir besser.
Bastian hat es am Ende so zusammengefasst, dass ich eigentlich ein Lösungsberater mit angeschlossener Fertigung bin. So habe ich das noch nie betrachtet, aber verneinen würde ich es nicht.
Warum ich keine FDM-Printfarm aufbaue
Bei der Frage, mit welchem Verfahren ich eigentlich kein Geld verdiene, war meine Antwort sofort klar: FDM. Durch die günstigen Drucker ist der Einstieg für jeden möglich, und der Markt ist entsprechend kaputt. Ich arbeite deshalb mit Partnern zusammen, die eine Printfarm betreiben. Einer von ihnen hat mir fast wörtlich gesagt, ich solle mir lieber zwei Drucker kaufen und die zehn Teile für den Kunden selbst machen, statt sie ihm zu schicken. Für ihn lohnt sich der Aufwand nicht.
Für mich sind solche Kleinstmengen zu einem etwas höheren Stundensatz zwar wirtschaftlich, aber nicht lukrativ. Mit zwei Druckern könnte ich nicht einmal mich selbst finanzieren. Im reinen PLA-Bereich brauchst du 50 bis 60 Drucker, damit eine einzelne Person überhaupt Geld verdient. Deshalb habe ich ein oder zwei FDM-Drucker, und vielleicht kommen noch zwei oder drei dazu. Aufträge über Hunderte, Tausende oder Zehntausende FDM-Teile handle ich über Partner ab.
Eine eigene Printfarm wäre wieder ein starker Fokus in eine Richtung. Die Maschinen müssen voll werden, rund um die Uhr betreut werden und brauchen ein konstantes Volumen. Dafür müsste ich mich auch marketingseitig ganz anders positionieren. Ein Unternehmen, das in der Entwicklung einen eigenen Bambu Lab stehen hat und jetzt schnell 1.000 einfache Teile braucht, sucht und findet mich gar nicht.
Welches Verfahren ich wieder abgeschafft habe
Auf dem Weg zu über 70 Materialien habe ich eine Menge getestet. Ich hatte zum Beispiel endlosfaserverstärkte Bauteile im Portfolio, weil ich davon ausgegangen bin, dass sie vor allem in der Robotik mehr Anklang finden. Das war eine Fehlannahme. Der Markt hat das Verfahren einfach zu wenig angenommen, und deshalb habe ich es wieder abgeschafft.
Fachlich halte ich die Idee trotzdem nach wie vor für richtig. Alles, was sich bewegt, kannst du mit Endlosfasern extrem gut verstärken und leicht bauen. Ich glaube, dass die Robotik noch kommt, und zwar nicht nur in Menschenform. Ich denke an einen Roboter in der Pflege, der morgens von Zimmer zu Zimmer fährt, den Sauerstoffgehalt und den Blutdruck misst, die Medikamente ausgibt und die Einnahme dokumentiert. Oder an die Servierroboter, die heute schon in manchen Restaurants fahren. Wenn diese Roboter so schwer sind, dass ihre Akkus nur vier Stunden halten, schleppen sie am Ende vor allem ihre eigene Batterie durch die Gegend. Dafür brauchen wir Leichtbau, und da sehe ich den 3D-Druck.
Wie ich neue Verfahren und Maschinen bewerte
Die Formnext nutze ich heute nicht mehr, um Neues zu entdecken. In der Regel weiß ich vorher, was neu ist, weil ich den Markt über Newsletter und andere Medien laufend verfolge. Die Lasersinter-Maschinen funktionieren im Kern immer noch so wie vor 30 Jahren. Wenn ich eine davon gesehen habe, weiß ich, wo die Materialbehälter, der Bauzylinder und die Heizung sitzen.
Mich interessiert eine andere Frage: Was konnte ich in der Vergangenheit nicht, und warum konnte ich es nicht? Lag es am Material, lag es an der Oberfläche? Daraus leite ich ab, welchen Schritt ich als Nächstes brauche, und gehe gezielt auf die Suche nach jemandem, der mir hilft, die Anforderungen meiner Kunden künftig zu erfüllen.
Ein Beispiel ist der neue Resindrucker von Formlabs für rund 800 Euro. Ich habe auf der Webseite zehn bis zwölf Minuten gesucht, bis ich den Bauraum, die Pixelgröße, die Leistung in Milliwatt pro Quadratzentimeter und die Info gefunden hatte, ob die Parameter offen sind. Genau das interessiert mich, der Rest nicht. Danach kommt ein Haken dran, und die Sache ist für mich erledigt.
Spannender finde ich gerade eine neue 16K-Maschine von Phrozen aus Taiwan. Mit Phrozen bin ich in Kontakt gekommen, als ich einen Ersatz für den kleinen Opus-Drucker von Photocentric gesucht habe, für die ich auch Reseller bin. Die neue Maschine soll nach meinem Stand unter rund 2.000 Euro liegen. Das ist im Moment noch Erwartungswissen und kein Erfahrungswissen, deshalb schaue ich sie mir auf der Formnext persönlich an. Ich glaube aber, dass das eine richtig gute Maschine wird.
Nur noch drei Verfahren: Welche bleiben?
Zum Schluss hat mir Bastian eine hypothetische Frage gestellt. Angenommen, die Mehrheitsgesellschafter erlauben nur noch drei Verfahren, und alles andere wird verkauft. Meine Antwort: SLS, den Metall-3D-Druck und Carbon DLS. Mit diesen drei Verfahren decke ich immer noch ein riesiges Spektrum an Anforderungen ab und bleibe meiner Philosophie treu. Verzicht hat man bei allen anderen Verfahren trotzdem.
FAQ: 3D-Druck Serienbauteile und der passende Dienstleister
Wann reicht ein spezialisierter 3D-Druck-Dienstleister, und wann brauche ich ein breites Portfolio?
Ein spezialisierter Dienstleister ist in seinem Kernverfahren oft besser ausgestattet und manchmal auch günstiger. Solange dein Bauteil genau zu diesem Verfahren passt, reicht das völlig aus. Wenn die Anforderungen an Festigkeit, Oberfläche oder Nachweise aber ein anderes Material oder Verfahren verlangen, endet dort die Beratung. Ein breites Portfolio aus eigener Fertigung erlaubt es, die Verfahren ehrlich zu vergleichen und das serienfähige Material nach der Anforderung auszuwählen. Ein Portal liefert dir dagegen nur einen Preis für den Upload, ohne dass jemand mit dir über die Anforderungen spricht.
Warum setzt du als 3D-Druck-Dienstleister auf über 10 Verfahren statt auf eine Spezialisierung?
Weil Serienbauteile konkrete Anforderungen an Festigkeit, Oberfläche, Toleranzen und Nachweise haben, die selten ein einziges Verfahren abdeckt. Ich wähle das Verfahren nach der Anforderung aus und nicht umgekehrt. Dafür nehme ich bewusst in Kauf, dass mein Skalierungshebel langsamer ist als bei einem reinen Spezialisten.
Reicht ein PLA-Prototyp, um ein Bauteil für die Serie zu bewerten?
Nein. Ein PLA-Modell zeigt dir, ob die Idee funktioniert und ob sich das Bauteil montieren lässt. In der Serie geht es um Festigkeit, Oberfläche, Farbe, Toleranzen, Zertifizierungen sowie REACH, RoHS oder PFAS-Freiheit. Wenn du schon die Hälfte dieser Anforderungen nicht erfüllst, wird daraus keine Serie.
Warum baust du keine eigene FDM-Printfarm auf?
Der FDM-Markt ist durch die günstigen Drucker hart umkämpft. Im reinen PLA-Bereich brauchst du 50 bis 60 Drucker, damit eine einzelne Person davon leben kann. Ich betreibe deshalb nur wenige FDM-Drucker und gebe große Stückzahlen an Partner mit einer Printfarm.
Welches Verfahren hast du wieder abgeschafft und warum?
Die endlosfaserverstärkten Bauteile. Ich bin davon ausgegangen, dass sie vor allem in der Robotik mehr Anklang finden, aber der Markt hat sie zu wenig angenommen. Fachlich halte ich das Verfahren für den Leichtbau bewegter Bauteile trotzdem nach wie vor für sinnvoll.
Wie lange dauert es, bis sich ein neues Verfahren wie eine Metallanlage trägt?
Bei mir waren die ersten Jahre ein Zuschussgeschäft. Im ersten Jahr lernst du, was mit der Maschine wirklich funktioniert, und im zweiten Jahr machst du es bei deinen Kunden bekannt. Heute trägt sich die Metallmaschine, aber die Leasingraten laufen vom ersten Monat an.
Wie bewertest du neue Maschinen und Verfahren, zum Beispiel auf der Formnext?
Ich frage mich zuerst, welche Anforderungen ich in der Vergangenheit nicht erfüllen konnte und woran es lag, zum Beispiel am Material oder an der Oberfläche. Dann suche ich gezielt nach Maschinen, Materialien oder Prozessen, die genau diese Lücke schließen. Die technischen Daten wie Bauraum, Pixelgröße und offene Parameter sind mir dabei wichtiger als die Werbebotschaft.
Welche drei Verfahren würdest du behalten, wenn du nur drei haben dürftest?
SLS, den Metall-3D-Druck und Carbon DLS. Mit diesen drei Verfahren decke ich immer noch ein riesiges Spektrum an Anforderungen ab, ohne zu viel von meinem Portfolio aufzugeben.
Was jetzt zu tun ist
Wenn du gerade ein Bauteil auf dem Tisch hast, bei dem du nicht sicher bist, welches Verfahren die Anforderungen deiner Serie wirklich erfüllt, dann schick uns deine Anforderungen. Wir schauen gemeinsam in den Werkzeugkoffer und sagen dir ehrlich, welches Verfahren passt und wann der 3D-Druck nicht die richtige Lösung ist.