Prototec: 3D-Druck Service und Dienstleistung

Cover des Podcasts „3D-Druck Wissen“ von PROTOTEC

#004 NEXT GEN AM: Die spannende Phase nach dem Hype: Warum FDM nicht gleich 3D-Druck ist

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Torsten Wolschendorf und Johannes Lutz sprechen in dieser Jubiläumsfolge, der zehnten des Next Gen AM Podcasts, über die aktuelle Konsolidierung im 3D-Druck-Markt und darüber, warum sich der Fokus klar von Prototypen zur Serienfertigung verschiebt. Sie erklären, warum viele Unternehmen 3D-Druck fälschlicherweise mit FDM gleichsetzen und dadurch das Potenzial anderer Verfahren verschenken. Außerdem geht es um Messen im Wandel, den Gartner Hype Cycle und die Frage, was es kostet, wenn man als Unternehmen zu lange wartet.

Takeaways

  • Der 3D-Druck-Markt konsolidiert sich weiter, während sich der Schwerpunkt spürbar von Prototyping zur Serienfertigung verlagert.
  • Für viele Unternehmen ist 3D-Druck gleichbedeutend mit FDM. Das enorme Potenzial anderer Verfahren bleibt dadurch ungenutzt.
  • Wer zu lange wartet, zahlt am Ende nicht für die Technologie, sondern für die verpassten Anwendungen.

Chapters

  • 00:00 Intro und zehnte Jubiläumsfolge
  • 02:26 Deutschland heizt sich auf, der 3D-Druck-Markt kühlt ab
  • 03:47 Stratasys übernimmt Nano Dimension: Markforged und Desktop Metal
  • 07:51 Insourcing vs. Outsourcing: Die Wellenbewegung der Branche
  • 10:31 Günstige Desktop-Drucker verändern den Maschinenpark
  • 13:32 SLS-Anlagen leer? Warum jetzt Serienfertigung zählt
  • 15:06 Vom Prototypen-Dienstleister zur Serienfertigung: Torstens eigene Zahlen
  • 18:28 Vom „Kennst du 3D-Druck?“ zum „Bringt es dir Ergebnisse?“
  • 19:32 „Wir machen 3D-Druck“ heißt für viele nur FDM
  • 21:40 Glaubwürdigkeitsproblem: Wo bleiben die Anwendungen?
  • 24:30 Medizin, Luftfahrt und SpaceX als Beweis für Serientauglichkeit
  • 28:13 First-Mover-Vorteil und Markenbildung am Beispiel Tupperware
  • 31:47 Die eigene Drucker-Falle: Warum ein Gerät nicht „der 3D-Druck“ ist
  • 33:47 Jede Branche glaubt, sie sei speziell
  • 37:34 Ankündigung: Open House am 8.9. in Attendorn
  • 39:41 Messen im Wandel: Vom Problem zur Lösung denken
  • 43:19 Der Gartner Hype Cycle im 3D-Druck
  • 46:58 KI und 3D-Druck: Parallelen im Hype
  • 49:37 Formnext-Prognose: Hallen, Stände, Ausstellerzahlen
  • 51:41 Formnext vs. Rapid TCT: Warum Deutschland hier vorne liegt
  • 54:38 Der Schmerzpunkt fehlt noch: Die unsichtbaren Kosten des Nichtstuns
  • 57:48 Fazit und Verabschiedung

Link zur Webseite: https://prototec.de
LinkedIn Profil: https://de.linkedin.com/in/torsten-wolschendorf

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Die spannende Phase nach dem Hype: Warum FDM nicht gleich 3D-Druck ist

Der 3D-Druck-Markt hat gerade eine harte Bereinigung hinter sich, und ich sage bewusst hinter sich, nicht vor sich. Stratasys hat sich in den letzten Monaten die margenschwachen Reste von Nano Dimension und Markforged gesichert, für deutlich weniger Geld, als Nano Dimension selbst einmal für Stratasys bieten wollte. Gleichzeitig verändert sich draußen in den Entwicklungsabteilungen etwas viel Grundlegenderes: Fast jedes Unternehmen hat inzwischen einen Desktop-FDM-Drucker stehen, und genau das führt zu einem Denkfehler, der mir in Kundengesprächen ständig begegnet.

In dieser Next Gen AM Folge habe ich mit meinem Kollegen Johannes Lutz genau darüber gesprochen: über die Konsolidierung im Markt, über den Unterschied zwischen "wir machen 3D-Druck" und "wir machen FDM", und darüber, warum der eigentliche Schmerzpunkt für viele Unternehmen immer noch nicht groß genug ist.


Wenn die Großen aufräumen: Stratasys, Nano Dimension und die Konsolidierung

Der letzte große Schritt in der Konsolidierung: Stratasys hat Nano Dimension die Reste von Desktop Metal abgekauft, nachdem Nano Dimension zuvor bereits Markforged übernommen hatte. Interessant dabei ist die Vorgeschichte. Stratasys hatte selbst schon einmal überlegt, Markforged zu kaufen, bevor Nano Dimension zuschlug. Damals war der Preis einfach zu hoch. Jetzt bekommt Stratasys die gleichen Assets für deutlich weniger Geld, weil Nano Dimension den 3D-Druck-Markt offenbar nie wirklich verstanden hat und sich inzwischen komplett in Richtung KI orientiert.

Ich sehe das nüchtern: Stratasys hat als langjähriger Hersteller den Markt und die Synergien einfach besser verstanden. Nano Dimension hat, abgesehen von einer Elektronik-Platinen-Anwendung, nie wirklich zum 3D-Druck-Markt gepasst. Das Ergebnis war viel verbranntes Geld und falsch eingeschätzte Märkte. Am Ende steigt Stratasys als einer der Gewinner aus dieser Konsolidierungsrunde.


Rein, raus, rein: Die Wellenbewegung zwischen intern und extern

Diese Konsolidierung spielt sich nicht nur bei den großen Herstellern ab, sondern genauso in den Unternehmen selbst. Viele haben eigene Additive-Manufacturing-Kompetenzzentren aufgebaut, neue Hallen, neue Maschinen, zwei Mitarbeiter eingestellt, und dann hieß es: Mach mal. Ich habe mich oft gefragt, wie sich das auf lange Sicht trägt und wie viel Geld dabei eigentlich verbrannt wird.

Das ist im Kern eine ganz normale Wellenbewegung, die man aus anderen Unternehmensbereichen genauso kennt. Wärmebehandlung oder Werkzeugbau wandern immer wieder zwischen Insourcing und Outsourcing hin und her, oft in einem Zehn-Jahres-Zyklus. Wenn ein Bereich nicht mehr profitabel genug ist, wird der Rotstift angesetzt. Genau das sehen wir gerade auch im 3D-Druck: Unternehmen, die intern zwei Leute mit Druckern beschäftigt haben, aber deren Wertschöpfung nicht ausreicht, um das zu refinanzieren, gehen wieder zurück zum externen Dienstleister.


Die Desktop-Revolution und ihre Grenzen

Global hat sich bei den Anlagen einiges bewegt, vor allem im Bereich FDM und Pulverbett. Formlabs, Sinterit oder Raise 3D bieten inzwischen Systeme unter 100.000 Euro an, für viele Unternehmen kein riesiges Invest mehr. Das ist grundsätzlich eine gute Entwicklung für die Branche: Unternehmen können mit überschaubarem Kapital in die Technologie einsteigen und intern lernen.

Nur wird daraus schnell ein Trugschluss. FDM ist nicht das High-End der Technologie. Ein Desktop-FDM-Drucker verhält sich zu einer industriellen SLS-Anlage ungefähr so wie eine günstige Kuntfräse für 20.000 bis 30.000 Euro zu einem Bearbeitungszentrum für 300.000 bis 400.000 Euro. Beide liefern Teile. Aber Reproduzierbarkeit, Stabilität und die Fähigkeit, tausende Teile in gleichbleibender Qualität zu liefern, sind auf einem völlig anderen Level.


Vom "Kennst du 3D-Druck?" zum "Bringt es dir Ergebnisse?"

Als ich das Unternehmen 2019 übernommen habe, lag der Anteil an Prototypen bei etwa 90 Prozent. Diesen Hype um günstige Drucker gab es damals noch nicht, wer drucken wollte, musste richtig investieren. Heute, 2026, sieht das Bild komplett anders aus: rund 80 Prozent Serienteile, nur noch 10 Prozent klassische Prototypen, und die restlichen 10 Prozent sind seriennahe Prototypen. Das zeigt nicht, dass Prototypen verschwunden sind, sondern dass sie durch Desktop-Drucker in die Unternehmen selbst gewandert sind. Das finde ich völlig in Ordnung.

Jahr Prototypen Serienteile Seriennahe Prototypen
2019 (Übernahme) ca. 90 % nicht separat erfasst nicht separat erfasst
2026 (heute) 10 % 80 % 10 %

Als ich vor rund zwölf Jahren in den 3D-Druck eingestiegen bin, ging es in jedem Gespräch erstmal darum, ob jemand überhaupt schon von 3D-Druck gehört hatte. Dann kam die nächste Stufe: Du kennst 3D-Druck, aber machst du das denn schon? Heute macht praktisch jedes produzierende Unternehmen in Deutschland irgendetwas mit 3D-Druck. Die Frage, die jetzt zählt, ist eine andere: Bringt es dir die Ergebnisse, die du dir wünschst?


Der Denkfehler: Warum FDM nicht gleich 3D-Druck ist

Genau hier stoße ich in Gesprächen ständig auf denselben Satz: Wir machen ja den normalen 3D-Druck. Dann frage ich nach, was genau gemeint ist, und die Antwort lautet fast immer: FDM. Für viele ist FDM der 3D-Druck, dabei ist es nur eines von über zehn Verfahren. Sobald ich erwähne, dass wir auch Metall drucken, kommt regelmäßig, mindestens einmal pro Woche, die Frage: Metall drucken? Das geht?

Das zeigt, wie viel Aufklärungsarbeit in der Branche noch fehlt. Es gibt so viele andere Verfahren mit anderen Möglichkeiten: Resindruck, Pulverdruck, Metalldruck, und die meisten kennen davon nur einen kleinen Ausschnitt. Wenn ein Unternehmen sagt, es könne mit seinem einen Drucker und PLA alles abdecken, dann heißt das im Klartext: Es weiß einfach noch nicht, was es alles nicht kann.


Medizin, Luftfahrt und die Glaubwürdigkeitsfrage

Wenn ich höre, 3D-Druck sei für Serien nicht geeignet, weil Reproduzierbarkeit oder Haltbarkeit nicht sicherzustellen seien, schaue ich immer dorthin, wo 3D-Druck schon längst im industriellen Maßstab läuft: Medizin und Luftfahrt. SpaceX hat in den letzten Jahren tausende Satelliten mit 3D-gedruckten Teilen ins All gebracht, komplett gedruckte Raketentriebwerke inklusive. Die würden das nicht tun, wenn es nicht zuverlässig funktionieren würde. Aktuell ist das eines der sichersten Transportmittel auf dem Weg ins All.

Diese Branchen stecken viel Geld in die Entwicklung, weil sie einen echten Mehrwert sehen, nicht weil sie sich Experimente leisten könnten. Genau dieser Mehrwert fehlt vielen anderen Unternehmen noch im Bewusstsein. Sie investieren gerade viel in Software und KI, was absolut richtig ist, aber das gleiche Budget-Denken fehlt beim 3D-Druck noch, obwohl die Technologie perspektivisch genauso zukunftsrelevant ist.


Der Wert des First Movers

Ein Gedanke, der mir aus dem Gespräch besonders hängen geblieben ist: Marken wie Tempo, Knipex oder Tupperware sind zu Gattungsbegriffen geworden, nicht weil andere Hersteller es nicht auch könnten, sondern weil sie die Ersten waren, die es wirklich hinbekommen haben. Genau diesen First-Mover-Wert unterschätzen viele im 3D-Druck noch.

Man sieht das gut am Beispiel Stratasys. Die FDM-Patente sind 2008 beziehungsweise 2010 ausgelaufen. Der erste wirklich brauchbare FDM-Drucker unter 1.000 Euro kam aber erst 2019, von Prusa. Das sind zehn Jahre Vorsprung, in denen Stratasys sich als Marktführer im Bereich Zertifizierung und Qualifizierung etabliert hat. Was Stratasys heute nicht mehr kann, ist mal eben eine Maschine für 800 Euro zu bauen, weil ihr Anspruch und ihr Zertifizierungslevel ein anderes geworden ist. Der günstige Markt und der zertifizierte Industriemarkt sind zwei unterschiedliche Spiele.


Die eigene Skala: Warum Unternehmen ihr Potenzial unterschätzen

Ein Muster, das mir bei fast jeder Potenzialanalyse begegnet: Unternehmen glauben, auf einer Skala von 1 bis 10 schon bei einer 10 zu sein, weil sie einen Drucker haben und ein paar Teile drucken. Dann zeige ich, was mit 3D-Druck wirklich möglich ist, und die Skala geht plötzlich bis 100.000. Erst dann sehen sie, wie klein ihr bisheriger Einsatz eigentlich war.

Das ist kein Vorwurf, ich würde in der gleichen Situation wahrscheinlich genauso reagieren. Aber wenn ein Unternehmen sagt, es habe jetzt einen 3D-Drucker und bestelle deswegen nichts mehr extern, dann ist das ungefähr so, als würde man sagen: Wir haben einen Backofen, also sind wir jetzt eine industrielle Bäckerei. Jedes Unternehmen glaubt, besonders speziell zu sein. Nach unzähligen Potenzialanalysen kann ich sagen: Die Probleme wiederholen sich, die Einwände wiederholen sich, und die Lösungen meistens auch.


Messen im Umbruch: Rapid Tech, AM Forum und die Bubble

Auch bei den Messen sieht man die Konsolidierung deutlich. Die Rapid Tech in Erfurt, vom VDMA organisiert, ist für mich inzwischen eher ein wissenschaftliches Forum als eine Messe. Ein Ticket kostet zwischen 500 und 800 Euro, für wissenschaftliche Vorträge, bei denen ich mir schwertue, auch nur einen einzigen Kunden aus meinem eigenen Spektrum zu finden, den das wirklich interessieren würde. Das AM Forum Berlin ist ähnlich, dort trifft sich vor allem die Branche unter sich, eine Bubble, die zunehmend kleiner wird, weil viele Unternehmen den Markt verlassen haben.

Was mir bei solchen Formaten fehlt, ist die Ausrichtung am Problem statt an der Technik. Ich habe deshalb schon vor zwei Jahren mein eigenes Open House in Attendorn veranstaltet, mit rund 70 Teilnehmern, ganz bewusst keine Verkaufsveranstaltung, sondern praxisnahe Anwendungen. Am 8. September mache ich das wieder. Die Leute kommen nicht wegen 3D-Druck, sie kommen wegen eines konkreten Problems, Lagerkosten, Lieferketten, Kleinserien, und 3D-Druck ist am Ende nur das Werkzeug dazu.


Der Gartner Hype Cycle: Wo der Markt heute steht

Ich vergleiche unsere Branche gerne mit dem Gartner Hype Cycle. Im Bereich Prototyping sind wir schon seit Jahren auf dem Plateau der Produktivität angekommen, die Technologie wird dort routiniert und skaliert eingesetzt. Im Bereich Serienfertigung waren wir zuletzt mitten im Tal der Tränen, genau in der Phase, durch die diese Konsolidierung gerade läuft, und jetzt sind wir langsam auf dem Weg zum Plateau. Das liegt an Materialien, an Kosten, und ja, auch an den Desktop-Anwendungen, die dafür gesorgt haben, dass klarer wird, was überhaupt möglich ist.

Was ich dabei betone: Printfarmen mit vielen FDM-Druckern sind noch nicht das Plateau, das ist der Einstieg. FDM ist technologisch kein High-End-Verfahren, dafür fehlt oft das passende Material. Das heißt nicht, dass FDM schlecht ist, im Gegenteil, für Vorrichtungsbau und Anschauungsmodelle ist kaum eine andere Technologie so gut geeignet. Aber viele sehen 3D-Druck nur als FDM, und genau das verhindert den nächsten Entwicklungsschritt.


Formnext: Warum diese Messe einzigartig ist

Ein Format sticht für mich klar heraus: die Formnext in Frankfurt. Dieses Jahr wird sie nur noch drei statt vier Hallen belegen, meine Prognose ist, dass die Stände insgesamt etwas kleiner werden, bei einer Ausstellerzahl von ungefähr 850, plus minus 20 bis 30. Trotzdem bleibt sie in einer eigenen Liga. Auf der Rapid TCT in den USA, einer der größten Messen weltweit, stehen selbst bei Global Playern wie 3D Systems oder Stratasys oft nur zwei Tische mit einer Decke drüber und einem Roll-up dahinter. Auf der Formnext siehst du echte Maschinen, Haptik, Touch and Feel, in dieser Form gibt es das außerhalb von China nirgendwo.

Kriterium Formnext (Frankfurt) Rapid TCT (USA)
Ausstellungsfläche 3 Hallen (2026, vorher 4) Deutlich kleinere Standflächen
Typischer Messestand Vollständige Maschinen zum Anfassen Oft zwei Tische mit Decke und Roll-up
Geschätzte Ausstellerzahl ca. 850 (+/- 20 bis 30) Nicht beziffert
Charakter Internationale Leitmesse mit Haptik Eher Branchentreffen unter sich

Wer die Formnext wirklich nutzen will, sollte sich vorher überlegen, was er dort eigentlich sucht, statt einfach nur durchzulaufen. Ich erinnere mich noch gut an den Kauf meiner eigenen Küche, in einem der größten Küchenstudios in Nordrhein-Westfalen. Ich bin mit einer klaren Vorstellung reingegangen und völlig überreizt wieder rausgekommen. Genau das passiert vielen auch auf der Formnext, wenn sie ohne Plan hingehen.


Der Schmerzpunkt fehlt noch

Am Ende komme ich immer wieder auf denselben Punkt zurück: Der Wechsel zu 3D-Druck kostet in den meisten Fällen kaum etwas, die Vorteile sind praktisch geschenkt. Die eigentliche Frage ist: Nutzt du es, oder nutzt es jemand anderes besser als du? Und was kostet es dich, wenn du es nicht tust? Das ist eines der größten Themen in unserer Branche: Der Schmerzpunkt ist für die meisten Unternehmen einfach noch nicht groß genug, um wirklich zu handeln.

Dabei sitzen wir schon seit rund sieben Jahren in dieser industriellen Krisenphase, die 2019 mit Dieselgate und der WLTP-Zulassung begonnen hat. Die meisten gehen aber immer noch davon aus, dass die nächsten zehn Jahre so laufen wie die letzten zehn davor. Genau das wird sich ändern.

Ein Beispiel, das mir besonders hängen geblieben ist: Bei einer Potenzialanalyse saß ein Geschäftsführer die ganze Zeit fast schweigend dabei, bis ich ihn direkt angesprochen habe. Am Ende hat er zu seinem gesamten Team gesagt, er lasse es nicht zu, dass in seinem Unternehmen eine solche Technologieangst herrscht. Er wusste zu dem Zeitpunkt nicht genau, wie er das umsetzen sollte. Aber er wusste, was er verliert, wenn er es nicht tut. Das war der Startpunkt, und seitdem hat dieses Unternehmen deutlich mehr Anwendungen gefunden, als vorher für möglich gehalten wurde.


FAQ: Die spannende Phase nach dem Hype im 3D-Druck

Warum konsolidiert sich der 3D-Druck-Markt gerade so stark?

Weil einige Hersteller den Markt strategisch besser verstanden haben als andere. Stratasys hat sich in den letzten Monaten günstig die Reste von Nano Dimension und Markforged gesichert, nachdem Nano Dimension den 3D-Druck-Bereich komplett aufgegeben hat und sich Richtung KI orientiert. Gleichzeitig ziehen sich auch einzelne Unternehmen aus eigenen Additive-Manufacturing-Kompetenzzentren zurück, weil die Wertschöpfung die Kosten nicht deckt.

Warum ist FDM nicht gleich 3D-Druck?

FDM ist eines von über zehn 3D-Druck-Verfahren, aber für viele ist es das einzige, das sie kennen. Wer nur einen FDM-Drucker mit PLA nutzt, deckt damit nur einen kleinen Ausschnitt dessen ab, was möglich ist. Resindruck, Pulverdruck und Metalldruck bleiben in vielen Unternehmen komplett ungenutzt, obwohl gerade dort oft das größere wirtschaftliche Potenzial liegt.

Warum gelten Medizin und Luftfahrt als Beweis für die Serientauglichkeit von 3D-Druck?

Weil dort seit Jahren im industriellen Maßstab produziert wird, wo Reproduzierbarkeit und Haltbarkeit entscheidend sind. SpaceX bringt tausende Satelliten mit 3D-gedruckten Teilen ins All und druckt komplette Raketentriebwerke. Diese Branchen würden kein Geld in eine Technologie stecken, die nicht zuverlässig funktioniert.

Was sagt der Gartner Hype Cycle über den aktuellen Stand von 3D-Druck aus?

Im Bereich Prototyping ist 3D-Druck längst auf dem Plateau der Produktivität angekommen, die Technologie wird dort routiniert eingesetzt. Im Bereich Serienfertigung war der Markt zuletzt im Tal der Tränen, ausgelöst durch die aktuelle Konsolidierung, bewegt sich aber inzwischen wieder Richtung Plateau.

Warum lohnt sich ein Besuch der Formnext besonders?

Weil dort im Gegensatz zu vielen anderen Messen tatsächlich vollständige Maschinen ausgestellt werden, statt nur ein paar Teile auf einem Tisch. Diese Kombination aus Größe und Haptik gibt es außerhalb von China nirgendwo. Wichtig ist, sich vorher zu überlegen, welches konkrete Problem man dort lösen will, statt planlos durchzulaufen.

Warum handeln viele Unternehmen trotz klarer Vorteile noch nicht?

Weil der Schmerzpunkt für die meisten noch nicht groß genug ist. Der Wechsel zu 3D-Druck kostet in der Regel wenig, aber solange kein konkreter Druck entsteht, etwa durch Lieferengpässe oder Wettbewerbsdruck, bleibt die Entscheidung liegen. Wer wartet, bis der Schmerz groß genug wird, hat oft schon Wettbewerbsvorteile verloren, die früher hätten realisiert werden können.


Was jetzt zu tun ist

Die Konsolidierung im 3D-Druck-Markt ist kein Grund zur Sorge, sie ist ein Zeichen dafür, dass die Branche erwachsen wird. Wer heute noch glaubt, mit einem FDM-Drucker und PLA alles abzudecken, hat den größten Teil des Potenzials noch gar nicht gesehen. Und wer noch abwartet, bis der Schmerzpunkt groß genug wird, verschenkt genau die Zeit, die für einen echten Wettbewerbsvorteil zählt.

Wenn du wissen willst, wo dein Unternehmen auf dieser Skala tatsächlich steht, und was mit 3D-Druck bei euch noch möglich wäre, sprich mich an. Wir schauen uns das gemeinsam an.

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